KLASSENSPRACHEN. opening Vernissage Freier Eintritt


„Das Zeichen wird zur Arena des K.“

„Als 'Form-Krieg' dreht der K sich nicht nur um die politischen Formen (...). Die Form-Kämpfe sind zugleich Kämpfe um Sinn; sie erfüllen Kultur und Sprache mit lebendigem Widerstand.“

In Wörterbucheinträgen wird das besprochene Wort nach seiner ersten Nennung durch seine Initiale repräsentiert. Klasse, Klassenkampf, Klassenwiderspruch werden, ebenso wie Krise, Katastrophe oder Kolonialismus, zu K. Unser K. steht für Klassensprachen. Angesichts der unauflösbaren Legitimationskrisen des global agierenden Kapitalismus und des Aufstiegs von Rechtspopulismen gibt es derzeit eine Rückkehr zur verdrängten Relation von Klasse zu verzeichnen – eine Rückkehr, die selbst viele Sprachen spricht.

In der Gegenwartskunst etwa spielt die gezielte Entfremdung, Enteignung und Aneignung der Sprache aus professionalisierten Floskeln, künstlerischen Stilformen, wissenschaftlichen Zwängen, populären Mustererkennungen sozialer und anderer Verortungen, politischen Ressentiments sowie ökonomischen Faktizitäten eine immer zentralere Rolle. In Druckerzeugnissen, in Spracharbeiten in sozialen Medien, in performten Texten, in Refrains, in Ansprachen und Narrationen entstehen Formen, die sich von unmittelbarer Konsumierbarkeit und Kommunizierbarkeit abspalten und der Wirklichkeit andere Filter abtrotzen.

Mit KLASSENSPRACHEN wollen wir ein Panorama dieser Filter zusammenführen – eine Formsammlung möglicher „Auswege“, wie Gilles Deleuze und Félix Guattari es mit Franz Kafka formulierten: „Nicht die Freiheit, sondern ein Ausweg. Nicht ein Angriff, sondern eine lebendige Fluchtlinie.“ Wir wollen die immer weiter ausdifferenzierten Sprachpraxen der Gegenwartskunst – in Berlin und darüber hinaus – zum Ausgangspunkt einer Suche nach Klassensprachen nehmen, die Auswege anzeigen, wo Angriffe sich zu oft der Syntax des Angegriffenen beugen. Dies bedeutet, den gesellschaftlichen Ort unserer Praxis von einem Problem aus neu zu organisieren: Denn in der Klasse liegt nicht nur die Verheißung einer gemeinschaftlichen Lebensform, sondern auch die Erfahrung gesellschaftlicher Entfremdung – die Klasse ist Problem und Lösung gleichermaßen. Oder, anders formuliert: wir sind selbst Teil des Problems, dessen Lösung wir begehren.

Mit den drei Strängen des Projekts – Ausstellung, Magazin und Debatte – wollen wir anhand unterschiedlicher Formate prüfen, wie die Behauptung von Klassensprachen in der Bildenden Kunst produktiv gemacht werden kann: wie die Ziele und Begehren von Schreibenden und Adressat_innen teilbar werden, wie sich auch professionalisierte Formen des Schreibens über Kunst neu konfigurieren lassen, wie eine Formsammlung von Auswegen provisorische Lebensformen hervorbringen kann. Welche Klassen heute aus uns sprechen – nostalgische, gegenwärtige, zukünftige, exklusive oder inklusive – und welche Auswege sie signalisieren, das wollen wir testen.

KLASSENSPRACHEN bei District wird gefördert vom Hauptstadtkulturfonds Berlin.

Künstler*innen und Autor*innen

Kai Althoff/Isa Genzken, Gerry Bibby, Cana Bilir-Meier, Sean Bonney, Hans-Christian Dany, Övül Ö. Durmuşoğlu, Michaela Eichwald, Frank Engster, Fehras Publishing Practices, keyon gaskin, Sarah M. Harrison, Ann Hirsch, HATE MAGAZIN, Karl Holmqvist, Infofiction, Stephan Janitzky, Jutta Koether, Justin Lieberman, Hanne Lippard, Thomas Locher, Sidsel Meineche Hansen, Karolin Meunier, Rachel O’Reilly, Phase 2, Johannes Paul Raether, Monika Rinck, Aykan Safoğlu, Juliana Spahr, spot the silence, Starship, Josef Strau, Marlene Streeruwitz, Hans Stützer, Linda Stupart, Ryan Trecartin, Peter Wächtler, Ian White, Tanja Widmann, Frank B. Wilderson III, Susanne M. Winterling, Alenka Zupančič und andere.

Weitere Infos: www.district-berlin.com


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